Grundlegendes zur „Maskenpflicht“ und der Schutzwirkung unterschiedlicher Arten von Gesichtsschutz

Die führenden medizinischen Experten sind sich einig, dass sich das Corona Virus vor allem durch Tröpfcheninfektion mittels größeren Tröpfchenpartikeln verbreitet. Die zweite Infektionsart durch in der Luft fein verteilte kleine Tröpfchen (Aerosole) wird als deutlich seltener eingeschätzt. Bei beiden Infektionsarten dringt das Virus durch die Schleimhäute, also Mund, Nase und Augen in den Körper ein.

Betrachtet man den angenommenen Hauptinfektionsmechanismus, so ist es nachvollziehbar, dass jede Form von Gesichtsschutz, sei es nun passiv um den Tröpfchenflug  vom Infizierten zu verringern oder aktiv um umherfliegende Tröpfchen vom Gesicht fernzuhalten, das Infektionsrisiko senkt.

Der angenommene Nebeninfektionsmechanismus kann durch Gesichtsschutz nicht bekämpft werden, dies kann nur ein Atemschutz leisten.

Gesichts- und Atemschutz gehört zu den sogenannten persönlichen Schutzausrüstungen (PSA) und ist in der Europäischen Union durch die Verordnung 2016/425 reguliert. Besonders geeignete persönliche Schutzausrüstung im Kontext der Corona-Gefährdungen wurde in der Empfehlung der Europäischen Union 2020/403 ausdrücklich genannt und wird aktuell in den Zulassungsverfahren bevorzugt und beschleunigt behandelt.  

In der Betrachtung möglicher Schutzmechanismen im Alltagsleben werden praktisch ausschließlich Gesichtsschutzmasken ähnlich oder gleich den medizinischen Gesichtsschutzmasken (beschrieben in DIN EN 14868) oder Atemschutzmasken (beschrieben in DIN EN 149) berücksichtigt. Bei der vielzitierten Alltagsmaske ist die medizinische Gesichtsschutzmaske das Vorbild, das jeder sofort vor Augen hat und selbst die ganz pragmatischen Gesichtsschutzlösungen in Form von Tüchern oder Schals imitieren die Funktion der medizinischen Gesichtsschutzmasken. 

Leider wird durch diese Fixierung auf das Bild der engen Bedeckung von Mund und Nase mittels Stoff oder Papier eine weitere effektive und ausdrücklich in der EU-Empfehlung genannte und in der EU-Verordnung regulierte Schutzausrüstung fast komplett übersehen.

Gesichtsschilde wie der Schutzschirm IMKE (beschrieben in DIN EN 166) decken das komplette Gesicht ab und stellen einen sehr wirkungsvollen Barriere gegen direkten Tröpfchenflug sowohl vom Träger ausgehend, wie auch zum Träger hin dar. Sie stellen keine Barriere gegen umherschwebende Aerosole dar, das tun aber medizinische Gesichtsschutzmasken auch nur eingeschränkt und Alltagsmasken oder Schals schon gar nicht.
Darüber hinaus weisen Gesichtsschirme eine Reihe deutlicher Vorteile gegenüber einem eng anliegenden, z.B. textilen Gesichtsschutz auf. Sie erschweren das Atmen deutlich weniger, schränken die Kommunikation durch das Verdecken des Gesichts nicht ein und verlieren nicht ihre Schutzfunktion über die Zeit. Zudem schützen Gesichtsschirme als ausdrückliche Augenschutzgeräte auch die Augen des Trägers, über die auch eine Infektion erfolgen kann.

Gesichtsschirme lassen sich zudem auch von vielen Menschen tragen, die aus gesundheitlichen Gründen keine Stoffmaske tragen können. Diese brauchen aktuell ein Attest von ihrem behandelnden Arzt um ihre Befreiung von der Maskenpflicht nachweisen zu können. Man macht damit seine Vorerkrankung öffentlich, was zu Spekulationen und Vorverurteilungen führen wird. Zudem würde auch ein berechtigtes Nichttragen einer Stoffmaske vielfach als Fehlverhalten missinterpretiert werden und negative Reaktionen der Mitmenschen hervorrufen.

Auch in Zeiten der Corona-Pandemie darf die Nachhaltigkeit nicht außer Acht gelassen werden; Gesichtsschilde sind leicht zu reinigen und zu desinfizieren und damit wiederverwendbar.

Der Schutzschirm IMKE ist eine von unabhängiger Stelle auf Funktion und Ergonomie geprüfte persönliche Schutzausrüstung entsprechen den EU-Regularien und trägt als solche ein CE-Kennzeichen (gültig ab dem 30.04.2020). Das hebt sie deutlich von nicht geprüften Produkten, egal ob Alltagsmaske oder Gesichtsvisier aus dem 3D-Drucker ab. 

Die Umsetzung der Maskenpflicht in Deutschland erfolgt je Bundesland sehr unterschiedlich. Auch die Formulierungen in den Landesverordnungen und darüber hinaus die Interpretation von gleichen oder ähnlichen Formulierungen variiert stark von Bundesland zu Bundesland. Einige Verordnungen, wie z.B. die der Bundesländer Hessen und Schleswig-Holstein, begründen den Sinn der Masken sehr gut als geeigneten Schutz, der eine Ausbreitung von übertragungsfähigen Tröpfchenpartikeln verringert. Diese Bundesländer lassen die Ausführung der Masken bewusst offen. Die Verordnung von Schleswig-Holstein nennt in der ergänzenden Kommentierung sogar ausdrücklich Gesichtsvisiere als möglichen Schutz und auch das zuständige Sozialministerium von Sachsen hat inzwischen die Eignung von Gesichtsschirme bestätigt. 

Andere Bundesländer, wie z.B. Nordrhein-Westfalen, beschränken sich hingegen in der möglichen Ausführung einer Mund-Nasen-Bedeckung allein auf textile Materialien – erlauben aber ausdrücklich, darauf zu verzichten, wenn transparente Trennwände aufgestellt sind. Es ist hier allerdings davon auszugehen, dass diese Beschränkung der zulässigen Mund-Nase-Bedeckungen auf textile Varianten innerhalb kurzer Zeit wieder zurückgenommen wird. So hat zum Beispiel Berlin in der Corona-Eindämmungsverordnung vom 21. April 2020 noch ausschließlich textile Mund-Nase-Bedeckungen gefordert, in der Aktualisierung vom 28. April 2020 diese Einschränkung der Ausführung aber wieder zurückgenommen.

Aktuell ist die konkrete Verordnungslage in den einzelnen Bundesländern wie folgt:

Ausdrückliche Nennung von Gesichtsschirme wie IMKE als mögliche Ausführung im Sinne einer Mund-Nasen-Bedeckung:

  • Sachsen
  • Schleswig-Holstein

Ausdrückliche Definition von Mund-Nasen-Bedeckung als jede Bedeckung vor Mund und Nase, die eine Ausbreitung von Tröpfchenpartikeln reduziert

  • Brandenburg
  • Hessen

Keine nähere Beschreibung oder Beschränkung der Ausführung von Mund-Nasen-Bedeckungen

  • Baden-Württemberg
  • Bayern
  • Berlin
  • Hamburg
  • Mecklenburg-Vorpommern
  • Rheinland-Pfalz
  • Saarland
  • Thüringen

Ausdrückliche Beschränkung der Ausführung von Mund-Nasen-Bedeckungen auf Textil

  • Bremen
  • Niedersachsen
  • Nordrhein-Westfalen
  • Sachsen-Anhalt

Bad Salzuflen, 29.04.2020

Dr.-Ing. Brian Corley